Thin is in?

Es ist zum Haare raufen!

Im Fernsehen können wir von jeglichen Abnehmshow nicht wegschalten - denn sie sind überall: Secret Eater, The biggest looser, Du bist was du isst,....

Übergewichtige Menschen stellen ihre Ernährung um und bekommen personal Coaches zugeteilt, ob sie wollen oder nicht... und sind am Ende mehr oder weniger erfolgreich einige Kilos leichter.

Berühmte Z-Promis werden dabei gefilmt, wie sie eine Entgiftungskur, eine Woche lang auf weißen Stränden mit türkisem Meer.... und freuen sich am Ende über weniger Kilos, ach und natürlich ihren entgifteten Körper, was sofort mit einem Champagner begossen wird...

In sämtlichen Zeitschriften werden kurz nach dem ersten Schnee bereits ein Haufen neuer HOLLYWOOD-DIÄTEN, Sommer-Bauch-Weg-Trainingseinheiten oder Kleidungstricks zum Problemzonen-verdecken angepriesen...

In Bekanntenkreisen wird nonstop über den letzten Fitnesskurs getratscht und ob Kollegin A nicht irgendwie abgenommen, wie hat sie das nur...?, wobei Kollegin B ganz schon zugelegt hat!

Selbst die Kleinsten in den Grundschulen denken laut Studie 0-8-15 , pausenlos an ihre Figur, die im Grunde genommen noch keine Figur, sondern kindlich und normal, ist!

Überall reden und schreiben alle vom Abnehmen und trainieren und verzichten.... aber was ist mit denen die damit nicht mehr aufhören können?

"Bei jedem dritten Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren gibt es Hinweise auf eine Essstörung, bei den Jungen sind 13,5 Prozent auffällig." (Quelle: http://www.bzga-essstoerungen.de)

Hier fängt das Stillschweigen an, die Scham und eventuell das leugnen dessen, dass man selbst zuviel an das Essen und vorallem nicht-essen denkt? Ein absoluten Tabuthema, das erst gar nicht angesprochen wird, oder über das es sich zu empören gilt "...wie kann man nur? ....Hungerleiden in Afrika! ....selbst Schuld!"

Selbst Schuld? Naja, natürlich entscheiden sich viele der Betroffenen an einem Punkt mehr oder weniger bewusst für "ich will dünn sein!" Aber es hat viele Hintergründe, und Art und Weisen warum im Endeffekt Menschen aus diesem Teufelskreis nicht mehr rauskommen! Und die Medien und Laufstege tragen sicherlich einiges dazu bei...

Wenn man nun aber (endlich), nach langer Zeit einsieht, dass so eine Essstörung nicht totgeschwiegen werden darf, im wahrsten Sinne des Wortes, sondern, dass es sich um eine behandelbare Krankheit handelt, wie auch bei Übergewicht, was ich keineswegs verharmlosen will! Wenn dieser erste Schritt der Einsicht erfolgt ist und man Hilfe haben möchte, wie kann es sein, dass es schier unmöglich scheint, diese zu bekommen? 

Wartezeiten von bis zu einem Jahr für eine psychotherapeutische Behandlung... Ein halbes Jahr, für ein Vorgespräch in einer Klinik für essgestörtes Verhalten, in dem erst entschieden wird, ob diese Klinik die richtige Wahl ist... generell scheint im Internet ein Überfluss an Seiten zu dem Thema Essstörungen zu herrschen, aber als Betroffene/r kommt man sich vor wie im Labyrinth, in dem man nicht weiß wo man abbiegen soll. wo man schon war und was die richtige Richtung ist.

Nachdem man endlich einen Haufen Mut und Motivation aufgebracht hat und einen schweren Weg der Genesung einzuschlagen, wird einem der durch scheinbare Unnahbarkeit versperrt....

Muss man erst <40kg wiegen um ernst genommen zu werden? Zwangsernährt werden und zwangseingewiesen? Wenn man doch den Willen hat, etwas zu Verändern, nur nicht weiß wie und wo man anfangen soll?

Muss man erst aussehen, wie ein lebender Toter, damit irgendwer aufmerksam wird? Muss man sich tatsächlich an die Medien wenden und dafür kaum gehen können oder bereits schwerwiegende körperliche Schäden davongetragen haben, damit die Menschen Mitleid empfinden? Muss diese Krankheit erst äußerlich so unübersehbar sein, damit der innerliche bereits tote gesunden Teil reanimiert wird?

Wo sind hier die Fernsehshows, die auch diesen kranken Menschen helfen? Nicht, um mit einem Ernähtungsberater und Trainingscoach abzunehmen, sondern zuzunehmen und ein gesunden Selbstbild zu bekommen? Im Grunde wollen wir das selbe: lernen, was ein normales Essverhalten ist, was eine normale Portion ist!

Es ist unwahrscheinlich, dass Betroffene in eine Fernsehshow wollen, wo sie von der Gesellschaft angewiedert betrachtet oder schamlos ausgelacht werden, aber irgendwie muss man doch auch denen, die Genesen wollen, helfen können?!

Die Medien reden, dass dieser Magerwahn verabschiedet werden muss. Dass Frauen und Männer, auch kleine Kinder, lernen  müssen ihren Körper zu lieben und zu akzeptieren! Doch mit ihren Diät-Invasionen und Abnehm-Marathons scheint es schwer zu glauben, dass sie das tatsächlich versuchen! Es gilt nunmal nach wie vor: thin is in...

 

29.8.13 11:24

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)

Die Datenschuterklärung und die AGB habe ich gelesen, verstanden und akzeptiere sie. (Pflicht Angabe)


 Smileys einfügen